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Geschichte

Von den ersten Gewerkschaften im Kanton Solothurn bis zur Gründung des Kantonalen Gewerkschaftskartells im Jahre 1913

Der Kanton Solothurn war um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein ausgesprochener Bauernkanton. 1884 zählte man hier zum Beispiel erst 6 Ebauches- und 10 andere Uhrenfabriken mit insgesamt 1900 Arbeitnehmern. Die Industrialisierung wurde nicht zuletzt durch den so genannten „Kulturkampf“ zwischen den Liberalen Willhelm Vigiers und den konservativen katholischen Kräften in der Zeit von 1870 bis 1890 verzögert. Die Fabriken zogen protestantische Arbeiter aus den angrenzenden Gebieten in unseren Kanton und die Rechte konnte einer solchen Unterwanderung kein Interesse abgewinnen. Der späte industrielle Aufschwung spiegelt sich auch in der gewerkschaftlichen Geschichte nieder. Als 1880 der Schweizerische Gewerkschaftsbund in Olten gegründet wurde, fand sich unter 12 Gründersektionen nur eine Solothurnische: die Schuhmachergewerkschaft aus Olten. Die ältesten Gewerkschaften unseres Kantons sind die Typographiasektionen. Mit der zunehmenden Industrialisierung entstanden dann vor allem Sektionen der Metall-, Holz- und Lederarbeiter sowie der Eisenbahner.

Eine erste kantonale Arbeiterorganisation wurde am 15. Juni 1890 auf der Schützenmatte in Solothurn gegründet: die Arbeiterpartei. Ihre Träger waren 14 Grütlivereine und 4 Gewerkschaftssektionen mit zusammen etwa 2000 Mitgliedern. Das Programm dieser Organisation war vorwiegend politisch. Es enthielt aber auch gewerkschaftliche Forderungen. Von der Aktivität der Partei war aber vorerst nicht viel zu spüren.

An den kantonalen Wahlen von 1892 figurierten ihre Kandidaten noch auf der liberalen Liste. Erst 1896 kämpfte sie selbstständig in den Bezirken Solothurn, Lebern, Kriegstetten, Olten und Gösgen. Sie erreichte 1714 Stimmen (10%) und zog mit 7 Kantonsräten im Rathaus ein.

Die Not der zunehmenden Arbeiterschaft gab aber auch in unserem Kanton zunehmend den Anstoss zur Gründung von weiteren Gewerkschaftssektionen. Die Gründungen wurden nun auch durch die inzwischen entstandenen Zentralverbände gefördert. Im Jahre 1911 kam Jacques Schmid nach Olten. Er stand in unermüdlicher Kleinarbeit zahlreichen neuen Sektionsgründungen zu Gevatter und sollte darüber hinaus überhaupt der Vater der solothurnischen Gewerkschaften bis in die dreissiger Jahre hinein bleiben. Die lokalen und kantonalen Arbeiterunionen, die aus den Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei bestanden, waren in anderen Kantonen Quelle ständiger Reibereien mit dem Gewerkschaftsbund und den zentralen Fachverbänden. Der Kongress des SGB befasste sich öfters mit der Frage der lokalen Zusammenschlüsse, wobei auf eine organisatorische Loslösung von der Partei erwirkt wurde.

Unter diesem Einfluss wurde 1913 auch im Kanton Solothurn eine selbstständige kantonale Dachorganisation, das kantonale Gewerkschaftskartell, gegründet. Leider existiert kein Gründungsprotokoll. Aber es ist aus den „Handbüchern für solothurnische Arbeitspolitikern“ bekannt, dass Jacques Schmid der erste Präsident dieses Kartells war. Er fand eine originelle Möglichkeit, um die Verbindung mit der Sozialdemokratischen Partei, die er ja auch präsidierte, aufrechtzuerhalten.

Seinem Weitblick ist es zu verdanken, dass mit dem Kartell eine Dachorganisation entstand, deren Grundlagen sich bis nach dem zweiten Weltkrieg als richtig erwiesen hatten. 1913 wurden im Kanton Solothurn 14'000 Gewerkschaftsmitglieder gezählt. Bei 32'000 Fabrikarbeitern war damit ein beachtlicher Organisationsgrad erreicht. Man kann bei der damaligen Einstellung der Unternehmer gegen die Gewerkschaften kaum ermessen, was ein solcher Aufschwung an Opfern von den führenden Männern gefordert hat.

 

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